Freitag, 29. März 2013

Tempel von Angkor - Tage 1, 2 und 3


Der aus Liebe geborene Taj Mahal in Agra, der kraftvolle und majestätische Mekong, das exotische Saigon, die Strände von Bali, die Vulkane von Hawaii, der riesige Grand Canyon und die Hochhäuser New Yorks. Es sind diese Gebäude, Städte und Landschaften, derentwegen man auf Reisen geht. Sie inspirieren einen dazu, das Flugticket zu kaufen und stehen am Anfang jeder Planung. So haben auch wir eine persönliche Hitliste an herausragenden Orten, die uns als Orientierungspunkte auf unserer Route dienen. Und auf einem der ganz vorderen Plätze liegt der Tempel von Angkor Wat im Dschungel von Kambodscha.


Angkor Wat ist die größte Tempelanlage der Welt. Seine weltberühmten fünf maiskolbenartigen Türme zeugen von einer beeindruckenden Baukunst. Die Größe der Anlage, die Symmetrie der Gebäude und die zahlreichen Details machen jeden Besucher für einen Moment sprachlos. Das und die sengende Hitze, die einen umgibt. Es scheint geradezu unglaublich, dass der Tempel bereits 1150 erbaut wurde und die Bauzeit 30 Jahre betrug. 


Angkor Wat ist dem Hindugott Vishnu geweiht. Heute ist es das Nationalsymbol von Kambodscha und wird auf der Nationalflagge und auf Geldscheinen abgebildet. Man muss zunächst über einen Damm einen die Anlage umgebenden Graben überqueren und kann dann durch vier Einfassungsmauern in das Zentrum gehen. 


In jedem Winkel entdeckt man detaillierte Skulpturen und die Wände sind meterhoch mit feinen Flachreliefs bedeckt. 


In den Reliefs sehen wir zum ersten Mal die heimlichen Wahrzeichen von Angkor: die Apsaras, die himmlischen Tänzerinnen. Wir werden ihnen die nächsten drei Tage in vielen Tempeln begegnen.


Diese mythischen Wesen sind laut einer unter den Khmer beliebten hinduistischen Schöpfungsgeschichte entstanden, als die Götter und Dämonen den Milchozean aufgeschäumt haben, um das Elixier der Unsterblichkeit zu produzieren.


Was jedoch in der breiten Öffentlichkeit oft nur als Angkor Wat bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit viel mehr als die fünftürmige Vishnu-Anlage. Das Gebiet, das sich über 300 qkm nördlich von Siem Reap erstreckt, war der Mittelpunkt des einstigen Reiches von Angkor, das Kambodscha seine Blütezeit bescherte. Vom etwa 9. bis zum 15. Jahrhundert regierten 39 Könige von verschiedenen in dieser Region errichteten Hauptstädten eine der bedeutendsten Mächte Südostasiens. 


Ermöglicht wurde dieser Machtzuwachs durch den Bau zahlreicher Bewässerungsanlagen und Stauseen, die auf dem fruchtbaren Ackerland mehrere Reisernten pro Jahr ermöglichten und damit zu wertvollen Nahrungsüberschüssen führten. Die Khmer-Könige errichteten gewaltige Staatstempel, wobei jeder Herrscher seinen Vorgänger übertreffen wollte. Im Laufe der Zeit wurden dank verbesserter Bautechniken die Anlagen mit neuen und detaillierteren Elementen versehen. So entstanden im tropischen Dschungel die Tempel von Angkor, bis zu 1000 unterschiedliche Tempelkomplexe, von denen Angkor Wat lediglich ein herausragender unter vielen ist.


Die Gegner der Khmer-Könige von Jayavarman II., dem Gründervater von Angkor, bis Jayavarman VII., dem größten aller Tempelbauer, befanden sich im Osten und Westen des südostasiatischen Festlandes. Gegen die Cham, die im heutigen Zentralvietnam lebten und die wir im Dschungel von Hoi An kennengelernt haben, lieferten sie sich die größten militärischen Auseinandersetzungen. Aber es war die übermächtige siamesische Streitmacht aus der Königsstadt Ayutthaya, durch deren Ruinen wir nördlich von Bangkok spaziert sind, die den Abstieg und das Ende Angkors einleiteten.


Im 15. Jahrhundert wurden die Tempelanlagen verlassen und die Hauptstadt nach Süden in die Gegend um das heutige Phnom Penh verlegt. Von kurzen Episoden königlichen Interesses abgesehen übernahm der Dschungel die Herrschaft über die Tempel von Angkor. Die Holztempel aus der Anfangszeit wurden durch das aggressive Klima zerstört; nur die Steintempel überlebten die Jahrhunderte.


Erst im 19. Jahrhundert wurde die Weltöffentlichkeit, vor allen Dingen die Öffentlichkeit der westlichen Kolonialmächte, nach der Veröffentlichung der Reisetagebücher eines französischen Forschers auf die verlassenen Tempel aufmerksam. Henri Mouhot, der später dem Lauf des Mekongs folgend in den Norden gereist ist und auf dessen Spuren wir schon in Luang Prabang gewandelt sind, wurde als der Entdecker von Angkor gefeiert. Obwohl er nicht der erste Europäer war, der auf die Dschungeltempel gestoßen ist und darüber schrieb, war es sein mit zahlreichen Zeichnungen versehener Bericht, der den Grundstein für die Erforschung der angkorianischen Epoche einleitete.


Man vermutet, dass im Großraum Angkor bis zu 1 Million Menschen in einem 1000 qkm großen Gebiet gelebt haben. Die landwirtschaftlichen Erfolge sorgten dafür, dass diese große Bevölkerung ernährt werden und die Könige sich die eindrucksvollen Staatstempel bauen lassen konnten. 


In religiöser Hinsicht war die Bevölkerung stark vom aus Indien stammenden Hinduismus geprägt. Die Tempel waren Gottheiten gewidmet, viele von ihnen den hinduistischen Göttern Shiva, Vishnu und Brahma. Im Mittelpunkt einer Anlage stand meistens ein zentrales Turmheiligtum, das den Berg Meru aus dem hinduistischen Kosmos symbolisierte. Später gewann der Buddhismus einen großen Einfluss auf den Tempelbau. Daneben gab es immer auch eine Mischung aus verschiedenen religiösen Systemen und parallel vorherrschende Gottesvorstellungen.


Wir haben drei ganze Tage mit der Zeitreise ins Reich von Angkor verbracht. 


Drei Tage, in denen wir mit vielen anderen Touristen die verschiedenen Tempel bestaunt haben, uns dabei von Schatten zu Schatten vorgearbeitet haben, um die Hitze Kambodschas und die Schwüle des Dschungels zu überstehen und immer wieder vom Fahrtwind unseres TukTuks gerettet zu werden. Und manchmal brauchte man einfach ein Nickerchen unter den Bäumen.


Das TukTuk gehörte Mr. Savvy, unserem steten Begleiter von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Immer mit einem Grinsen im Gesicht, außer in dem einen Moment, in dem wir ein Erinnerungsfoto von ihm machen wollten, brachte er uns unter Vermeidung der größten Touristenmassen zu den schönsten und wichtigsten Tempeln und, was fast noch viel wichtiger war, fand uns an den verschiedenen Ausgängen der Anlagen ohne Probleme wieder. 


Ein TukTuk zu mieten, ist die geläufigste Variante die Tempel von Angkor zu besichtigen. Die meisten haben bereits eine vorgefertigte Route, die sie abfahren, die man aber nach Belieben anpassen kann. Unsere Tour haben wir über unser Hotel gebucht, das für die sog. „kleine“ und „große Runde“ insgesamt 27 $ (exklusive Trinkgeld für den Fahrer) für das TukTuk, in dem wir zu viert mitfahren konnten, haben wollte. Ein überraschend fairer Preis, wie wir finden. Zusätzlich muss man aber immer noch die Eintrittskarten für das Tempelgelände bezahlen. Das 3-Tagesticket hat 40 $ pro Person gekostet.

Diese Zeit braucht man auch, um das andere große Highlight neben Angkor Wat in Augenschein zu nehmen: die Tempelstadt Angkor Thom, das wahre Zentrum Angkors. Jayavarman VII., der letzte große Tempelbauer und Chambezwinger, ließ diese Stadt mit den Ausmaßen von 3 mal 3km erbauen. Sie ist von einem Wassergraben und einer 8m hohen Mauer umgeben. In der Mauer befinden sich fünf große Gopurams (Tortürme, die Zugang zu einem Tempelbereich gewähren), die mit vier in alle Himmelsrichtungen blickenden riesigen Gesichtern des Bodhisattva Lokesvara (ein in der buddhistischen Lehre vorkommendes Wesen, das nach höchster Erkenntnis strebt) gekrönt sind. Zu diesen Toren gelangt man über 100m lange Dammwege aus Stein. Der Weg zum berühmten Südtor ist auf der einen Seite mit 54 steinernen Göttern und auf der anderen mit 54 steinernen Dämonen, die jeweils an der neunköpfigen Naga ziehen, begrenzt.


Durch die Tore gelangt man auf eine der vier 1500m langen geraden Straßen, die auf das Zentrum der Anlage zulaufen. Von Norden kommend passiert man dabei die Elefantenterrasse und die Terrasse des Leprakönigs, die unfassbar detaillierte Friese mit Flachreliefs aufweisen. 


Einst war hier der Königspalast, an dem die siegreichen Truppen vorbeimarschiert sind. 


Folgt man den Straßen weiter zum Mittelpunkt des Komplexes, kommt man zum Bayon, der für uns einer der schönsten Tempel in Angkor ist. 


Dieses Meisterwerk von Jayavarman VII. sollte die Religionen des Landes zusammenführen. Als Anhänger des Mahayana-Buddhismus ließ er den Bayon mit 54 Türmen errichten, die mit jeweils vier 7m hohen Gesichtern des Bodhissattva Lokesvara geschmückt wurden. 


Mehr als 200 dieser Gesichter blicken auf einen herab, wenn man vor den Stufen dieses Buddhatempels steht.


Neben Angkor Wat und dem Bayon sind es aber auch die zahlreichen zerstörten Tempel, die von wildem Dschungel überwuchert sind, die das öffentliche Bild von Angkor prägen. 


Oftmals ohne festen Rundweg ausgestattet, kann man sich selbst einen Pfad durch die alten Steine und die grüne Vegetation suchen. Der bekannteste unter ihnen ist sicherlich Ta Prohm, der Kulisse für den Film Lara Croft - Tomb Raider war. Die dicken Wurzeln von Kapokbäumen, die als eine der größten Bäume des tropischen Regenwaldes bis zu 75m hoch werden können, umklammern alte Steinwände oder durchbrechen Deckenkonstruktionen. 


Keiner der 39 Türme dieses einstigen buddhistischen Klosters, das die seinerzeit 102 Krankenhäuser in der Umgebung versorgte und auf dessen Gelände bis zu 12.000 Menschen gearbeitet haben sollen, ließ die Natur unversehrt. Aber mindestens genauso filmreif und weniger von Touristengruppen besucht ist die große ehemalige Universität Preah Khan oder die kleinen einsamen Tempel Ta Nei und Preah Pithu.


Am Ende sind diese unfassbar heißen drei Tage, die wir mit ziemlich vielen imposanten Steinen einer alten Zivilisation verbracht haben, schneller und unterhaltsamer vorbeigegangen, als man tagsüber manchmal dachte. Das lag zum einen daran, dass uns die Zeit mit Roel und Leoni nie zu lang wurde, und zum anderen, dass die Strapazen des Tages mit einem abendlichen kambodschanischen Curry belohnt wurden. Am letzten Abend gab es dann sogar eine besondere kulinarische Überraschung: Dank des Tipps eines Einheimischen entdeckten wir in einer kleinen dunklen Seitenstraße das „Haus Bremen“ (die Hamburger mögen es verzeihen), hervorragende deutsche Küche in Siem Reap. Es war uns gar nicht bewusst, wie groß nach knapp drei Monaten auf Reisen die Freude beim Anblick von Currywurst, Bratkartoffeln und Weizenbier sein kann. Und gleichzeitig bleibt festzuhalten, dass die Tempel von Angkor nicht umsonst Inspirationsquelle unserer Reise waren.


Fazit Tage 84, 85 und 86:

Kambodscha ist Angkor.

Was haben wir heute gelernt: „What strikes the observer, (…) (apart from) the grandeur, regularity, and the beauty of these majestic buildings, is the immense size and prodigious number of the blocks of stone of which they are constructed.“ Henri Mouhot

1 Kommentar:

  1. Gott Leute, ich bin einfach nur neidisch - auf die Eindrücke, Erlebnisse - kurz um auf die Freiheit, das machen zu können und dem Alltag einfach entfliehen zu können
    Und Christina - die Fotos werden immer besser - die Steigerung ist unübersehbar
    Und an beide: wir vermissen euch langsam aber stetig :-)
    Lena
    P.S.: habt Ihr euch zu den Affen dazugesellt?

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